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Projektbeschreibung

Einleitung

Der im Rahmen des Projektes untersuchte früh- und hochmittelalterliche Siedlungskomplex "Salz" an der Fränkischen Saale liegt im nördlichen Unterfranken im Landkreis Rhön-Grabfeld. Durch seine verkehrsgeographische Lage, fruchtbare Böden und weitere Standortfaktoren wie solehaltige Quellen kommt der Region bereits in merowingischer Zeit eine wichtige Bedeutung zu. Ein reich ausgestattetes Gräberfeld mit deutlichen Bezügen nach Westen wirft ein Licht auf die fränkische Erschließung des Raumes im 6. Jahrhundert. Im 8. Jahrhundert wird in der historischen Überlieferung mit der villa und der basilica Sti. martini in Brend sowie der Einrichtung des fiscus (Königsgutbezirk) und darauf aufbauend des palatium (Pfalz) Salz ein großer königlicher Güterkomplex fassbar. Über ein Dutzend Herrscheraufenthalte in karolingischer und ottonischer Zeit zeigen die Bedeutung dieser bislang nicht lokalisierten Pfalz und werfen gleichzeitig ein Licht auf ihr Siedlungsumfeld und wirtschaftliches Hinterland. Durch eine diachrone und interdisziplinäre Analyse des Raumes mit seinen verschiedenen Siedlungselementen  sollen die Entwicklung und die vielfältigen Transformationsprozesse von der Merowingerzeit bis in das Hochmittelalter beleuchtet werden. 


Der Veitsberg: Forschungsstand und Fragestellungen

Im Mittelpunkt der Untersuchung des Siedlungskomplexes Salz steht die Befestigung auf dem Veitsberg. Die Anlage  befindet sich auf einem Sporn der nordwestlichen Randhöhe des Saaletales über dem heutigen Ort Salz. Der Fundplatz ist zwar schon seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt, wurde aber erst in den 1980er Jahren durch Luftbilder und nachfolgende Grabungen in seiner Bedeutung erkannt. Archäologische Untersuchungen im Innenraum der Befestigung in den Jahren 1983-1985 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege unter Leitung von L. Wamser erbrachten eine mehrphasige Anlage des 8./9. bis 10. Jahrhunderts. Innerhalb einer massiven Trockenmauer, die im 10. Jahrhundert durch einen geschütteten Wall mit mächtigem vorgelagertem Graben überbaut wurde befanden sich Pfostenbauten, mehrteilige Rechteckbauten in kombinierter Pfosten-Schwellbalken-Bauweise sowie große Ofenanlagen. Neben Buntmetallverarbeitung sind auch weitere handwerkliche Tätigkeiten, darunter möglicherweise Salzsiederei, nachgewiesen. Im Zentrum der Befestigung befindet sich ein Rundbau, der aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer hochmittelalterlichen Nachnutzung in Form eines Turmhügels gehört. Weitere Luftbildaufnahmen durch Befliegungen nach 1985 brachten zusätzliche Details zu Tage und zeigen neben zahlreichen Grubenhäusern im Innenraum auch eine bis dato unbekannt, der Hauptburg vorgelagerte Abschnittsbefestigung in Form eines Grabens. Dieser Außengraben wurde 2006 durch die Archäologische Arbeitsgruppe Rhön-Grabfeld unter Leitung von L. Bauer sondiert und erwies sich ebenfalls als frühmittelalterlich.
Auf dieser Grundlage stellten sich zahlreiche Fragen an den Fundplatz, denen im Zuge des Projektes nachgegangen werden soll:

Wie sind die einzelnen Elemente der Anlage und die verschiedenen Ausbauphasen genau zeitlich und funktional einzuordnen? Wann setzt die früheste Nutzung ein und wann ist das Nutzungsende festzumachen? Welche Strukturen lassen sich innerhalb von Vor- und Hauptburg über die bekannten Bauten hinaus nachweisen? Lassen sich neue Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Bedeutung gewinnen? Welche Entwicklung nimmt der Gesamtkomplex und welche Erkenntnisse lassen sich daraus für die Frage nach der nicht lokalisierten Pfalz Salz gewinnen? Nicht zuletzt und besonders drängend stellt sich außerdem die Frage nach dem  Erhaltungszustand der einzelnen Bereiche des Bodendenkmals, das aktuell unter dem Pflug steht, und nach einem entsprechenden Schutzkonzept.


Das Umfeld: Forschungsstand und Fragestellungen

Ein großes Defizit der frühmittelalterlichen Burgenforschung stellt häufig die Einbindung der Anlagen in ihr Umfeld dar. Um die verbreitete burgenzentrierte Perspektive zu erweitern, wird im Rahmen des Projektes auch das Hinterland der Anlage intensiv untersucht. Zu Projektbeginn stand als Ausgangsbasis bereits eine gute archäologische Quellenbasis durch verschiedene Ausgrabungen mit frühmittelalterlichen Befunden (Siedlungen, Kirchen, Gräberfelder/Friedhöfe, weitere Burgen) sowie intensive Feldbegehungen durch Ehrenamtliche zur Verfügung. Auch der historische Forschungsstand ist insbesondere durch zahlreiche Studien von H. Wagner überdurchschnittlich gut.


Kontakt

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Ettel (Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, FSU Jena)
Projektkoordination: Petra Wolters M.A. seit 01/2012; Lukas Werther M.A. bis 01/2012; Dr. Ralf Obst bis 08/2009
Wiss. Auswertung: Petra Wolters M.A.
Örtliche Grabungsleitung: Petra Wolters, M.A. seit 2010
Laufzeit: seit 2009
Kontakt: ,  

Fördernde und mitwirkende Institutionen 

» Stadt Bad Neustadt an der Saale

» Gemeinde Hohenroth » Gemeinde Salz (Drittmittelgeber)

» Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (RGZM)

» Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

» TU Dresden/Universität Leipzig (Dipl. Geogr. Ch. Roettig und Prof. Dr. Ch. Zielhofer)

» Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

» FSU Jena, Physische Geographie (PD Dr. T. Haberzettel, Dr. T. Kasper)

Universität Hohenheim, Pollenanalyse und Vegetationsgeschichte (Dr. M. Knipping)