B R O N Z E Z E I T L I C H E   H Ö H E N S I E D L U N G E N
I N   M I T T E L D E U T S C H L A N D

Modul A3 der FOR 550 "Der Aufbruch zu neuen Horizonten"

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Das Projekt

In diesem Projekt soll das Siedlungswesen der Frühbronzezeit in Mitteldeutschland anhand von Siedlungen analysiert werden. Gemäß dem Forschungsstand wurden dazu in der ersten Projektphase die Höhensiedlungen herangezogen. Die einzige zusammenfassende Arbeit zu frühbronzezeitlichen Höhensiedlungen im Untersuchungsgebiet stammt von K. Simon (Simon 1990). Darin trägt er vierzehn zu diesem Zeitpunkt bekannte Siedlungen der Frühbronzezeit zusammen. Anhand dieser entwickelt er ein Siedlungsmodell, in dem die Höhensiedlungen an markanten Punkten an Fernhandelswegen in einem regelhaften Abstand von 10 - 20 bzw. 30 - 35 km (ca. einem Tagesmarsch) voneinander entfernt liegen (Simon 1990, 305). Um die Höhensiedlungen konzentrieren sich nach Simon kleinere Siedlungen, welche die Versorgung der Bewohner gewährleisteten (Simon 1990, 304). Hinweise auf die herausragende Stellung der beschriebenen Höhensiedlungen sieht er in den Funden, die Hinweise auf Metallurgie (Simon 1990, 315) und Salzgewinnung bzw. -handel (Simon 1990, 311) liefern. Der referierte Forschungsstand ließ jedoch "noch mancherlei Ergänzungen erwarten, aber auch Berichtigungen" (Simon 1990, 287), da er zum Großteil auf Lesefunden oder Altgrabungen beruhte. Eine kritische Überprüfung des simonschen Modells erfolgte im Jahr 2006 durch M. Wehmer (Wehmer 2006) im Rahmen einer Magisterarbeit am Bereich für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gleichzeitig wurden die von K. Simon aufgeführten und vom Gelände her für Ausgrabungen aussichtsreichen Fundplätze Rudelsburg und Querfurt archäologisch weiter untersucht, da auch von hier nur Lesefunde und schlecht dokumentierte Altgrabungen vorlagen (Simon 1990, 292 ff.). Um neue Fundplätze für das Modul zu erschließen, war im Vorfeld des Antrags die Luftbildarchäologie genutzt worden. Aus zahlreichen aus der Luft erkannten Grabenwerken wurden diejenigen herausgefiltert, welche die Lagekriterien von Höhensiedlungen erfüllten und somit als frühbronzezeitliche Siedlungsplätze mit eventuellen Befestigungsstrukturen in Frage kamen. Die nach den vorbereitenden Begehungen allgemein in die Bronzezeit datierten Anlagen wurden im Verlauf von Stufe 1 systematisch durch Sondageschnitte untersucht. In der Mikroregion um den Mittelberg waren die benachbarten Höhensiedlungen, die ebenfalls im Vorfeld begangen worden waren, in die Untersuchung mit einbezogen worden. Dabei stellte sich heraus, dass insgesamt nur fünf Siedlungen als gesicherte Höhensiedlungen der Aunjetitzer Kultur anzusehen sind.

Wenn sich eine Strukturierung im Siedlungswesen manifestiert hat, so sind die Hinweise darauf in den Siedlungen im Flachland, am Hang und auf Kuppen zu suchen. Aus diesem Grund wurden in der 2. Projektphase mehrer Fundplätze mit Hausbefunden, die in den vergangen zwei Jahrzehnten vermehrt ausgegraben werden konnten, untersucht. Neben der Aufarbeitung verschiedener Fundplätze in Mitteldeutschland, so z. B. Zwenkau und Eulau, erfolgte die vollständige Ausgrabung der Siedlung von Schloßvippach in Thüringen. Ziel der Grabungen war es, die im Jahr 2001 vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie im Vorfeld des Autobahnbaus der BAB 71 bei Schloßvippach gegrabene Siedlung der frühen Bronzezeit (Fundplatz 51 - "Am Fasanenwäldchen", Walter u. a. 2007) vollständig zu erfassen, um somit die Gesamtauswertung zu ermöglichen.

Dabei konnten zwei Südwest-Nordost-orientierte Pfostenbauten dokumentiert werden. Der sehr gut erhaltene Bau im östlichen Grabungsbereich weist bei einer Breite von 5 m eine Länge von 21 m auf. Es lässt sich eine Zweiteilung des Gebäudes rekonstruieren, bei der sich ein dreischiffiger Südwestteil von einem zweischiffigen Nordostteil trennen lässt. Die wenigen in den Pfosten gefundenen Scherben und die sicher der frühen Bronzezeit zuzuordnenden Scherben aus den innerhalb des Gebäudes gelegenen Befunden 323 und 324 weisen ebenso wie die Ausrichtung des Gebäudes auf eine frühbronzezeitliche Datierung hin. Im Umkreis dieses Gebäudes wurden zudem mehrere Siedlungsgruben dieser Zeitstellung dokumentiert. In einer dieser Gruben fanden sich drei Tondüsen, die über stilistische Vergleiche in die frühe Bronzezeit datiert werden können.

Da die frühbronzezeitlichen Befunde in den Grabungsschnitten zu den Rändern hin abnahmen und schließlich ausblieben, wird davon ausgegangen, dass die Siedlung vollständig erfasst ist. Dafür spricht auch das Fehlen von auf Gruben hindeutenden Anomalien in der geomagnetischen Untersuchung der östlich angrenzenden Fläche.

Kontakt

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Ettel
Mitarbeiter: Christiane Schmidt, M.A.
Laufzeit
: bis 2011
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Fördernde und mitwirkende Institutionen

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