G E S C H I C H T E

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Einleitung

1859-1929 | Anfänge

Die Anfänge unter F. Klopfleisch und G. Eichhorn

Die Anfänge der Jenaer Ur- und Frühgeschichte sind unmittelbar mit dem seit Sommersemester 1859 an der Universität lehrenden Privatdozenten der Kunstgeschichte Dr. phil. Friedrich Klopfleisch (1831-1898) verbunden. Dieser beschäftigte sich in seinen Lehrveranstaltungen zunehmend auch mit prähistorischer Archäologie. Jena gehört damit zu den ersten Universitäten in Deutschland, an denen Ur- und Frühgeschichte als Lehrfach angeboten wurde. Am 14. Oktober 1875 war Klopfleisch zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Nachdem er bereits 1896 aufgrund einer schweren Krankheit als Professor und Museumsleiter zurückgetreten war, verstarb Klopfleisch am 30. Mai 1898 in Jena.

Sein bekanntester Schüler ist Alfred Götze (1865-1948), der 1890 bei Klopfleisch im Hauptfach "Kunstgeschichte mit besonderer Betonung der vorgeschichtlichen Zeit" mit einer der ersten prähistorischen Dissertationen zum Thema "Die Gefäßformen und Ornamente der neolithischen schnurverzierten Keramik im Flußgebiete der Saale" promoviert wurde. Aber auch andere Thüringer Archäologen der ersten Generation hatten Klopfleischs Vorlesungen besucht, so z.B. der Geheime Hof- und Medizinalrat Dr. med. Ludwig Pfeiffer (1842-1921), einer der Ausgräber der paläolithischen Fundstelle Weimar-Ehringsdorf, der langjährige Kustos des Weimarer Museums für Urgeschichte, Armin Möller (1865-1938), oder Sanitätsrat Prof. Dr. med. Gustav Eichhorn.

Am 24. Oktober 1863 schenkte Klopfleisch der Universität seine Sammlung vorgeschichtlicher, volkskundlicher und kunstgeschichtlicher Objekte und wurde Leiter des "Germanischen Museums zu Jena". Bis 1878 stand er dem Museum ehrenamtlich als Konservator vor, erst danach erhielt er eine Anstellung. Sein erstes Domizil fand das Museum im Rundturm des ehemaligen Schloßgebäudes, der zugleich die Nordostecke der Stadtbefestigung bildete. Den Bestand des Museums vermehrte Klopfleisch durch den Erwerb einer großen Kollektion lausitzischer Funde aus Schlesien (Pawellau, heute Pawlow Trebnicki, woj. Wrocław), der Sammlung oberfränkischer Altertümer des Prof. Dr. med. August Friedrich Siebert und der in der Großherzoglichen Bibliothek Weimar verwahrten "Praehistorica", darunter besonders Stücke aus dem Besitz von Johann Wolfgang von Goethe, der Kessel von Possendorf und den Grabfund der römischen Kaiserzeit aus Dienstedt.

Die meisten Funde stammen jedoch aus Klopfleischs eigenen Ausgrabungen. In den fast 40 Jahren seiner Tätigkeit in Jena hat er an etwa 80 Fundorten und wesentlich mehr Fundstellen über 150 Grabungen ausgeführt. Sie lagen zumeist um Jena und Weimar, erstreckten sich darüber hinaus aber auch auf das gesamte heutige Thüringen und die Nachbarländer. Zu den bekanntesten gehören sicher die Untersuchungen auf dem Jenzig bei Jena (ab 1856), der paläolithischen Fundstelle Taubach bei Weimar (ab 1870) und des Grabhügels der Aunjetitzer Kultur in Leubingen (1877).

Klopfleischs größtes Verdienst besteht darin, daß er als einer der ersten die grundlegende Bedeutung der Keramik "als einen der leitenden Faktoren" für die chronologische Gliederung der Vorgeschichte erkannte und diese Ansicht ab 1872 deutlich vertrat. In mehreren Artikeln ab 1880, besonders aber in seiner 1882 erschienenen Arbeit "Die Grabhügel von Leubingen, Sömmerda und Nienstädt. Voraufgehend: Allgemeine Einleitung. Charakteristik und Zeitfolge der Keramik in Mitteldeutschland", prägte er die Begriffe "Bandkeramik" und "Schnurkeramik" und definierte damit zwei der wichtigsten neolithischen Kulturen Mitteleuropas.

Nach Klopfleischs Tod brach die Lehre im Fach Ur- und Frühgeschichte zunächst ab, während das Museum weiterhin Bestand hatte.
Die Betreuung der Sammlung übernahm zunächst der Geograph Fritz Regel. Ab 1900 lag sie in den Händen von Dr. med. Gustav Eichhorn (1862-1929), der ab 1902 als Konservator - jedoch ohne Vergütung - tätig war. Am 8. August 1918 übernahm er als Vorstand die Verwaltung des "Prähistorischen (ehem. sog. german.) Museums". Gleichzeitig wurde ihm auf Antrag der philosophischen Fakultät die Genehmigung erteilt, Vorlesungen über Vor- und Frühgeschichte zu halten. Das Lehrangebot wurde allmählich erweitert. Am 31. März 1927 wurde Eichhorn für seinen Einsatz der Titel eines ordentlichen Honorarprofessors verliehen. Alle diese Tätigkeiten führte er nebenamtlich zu seiner Arbeit als praktischer Arzt und später Sanitätsrat aus. Bereits seit 1928 schwer erkrankt, starb Eichhorn am 15. Oktober 1929 in Jena.

1926 war von der Philosophischen Fakultät das Promotionsrecht im Haupt- und Nebenfach Ur- und Frühgeschichte geschaffen worden. In der kurzen Zeit von Eichhorns Lehrtätigkeit besuchten mehrere angehende Prähistoriker dessen Veranstaltungen, so z.B. Herbert Jankuhn (1905-1990), Gotthard Neumann (1902-1972) und Rudolf Guthjahr (1904-1988). Eichhorn konnte jedoch nur eine seiner Schüler und Schülerinnen, Hildegard Knack, 1928 mit einer Arbeit über "Die Latènekultur in Thüringen" promovieren. Knack, die ab Ostern 1924 Prähistorie im Hauptfach studierte, gehörte damit zu den ersten Frauen in Deutschland, die den Doktortitel im Fach Ur- und Frühgeschichte erlangten.

Bald nach dem Beginn seiner Tätigkeiten für das Museum ging Gustav Eichhorn an die Einrichtung des "Archivs für vor- und frühgeschichtliche Fundnachrichten" und begründete damit die Anfänge einer zentralen Bodendenkmalpflege im politisch stark zersplitterten Thüringen. Pläne, "die Universität Jena zum Mittelpunkt der prähistorischen Forschung in Thüringen" zu machen, indem "eine Art Archiv geschaffen werden (solle), in dem sämtliche Notizen usw., die vorgeschichtliche Forschung betreffend, gesammelt und aufbewahrt werden", bestanden bereits seit 1904.

Im selben Jahr konnte die Sammlung mehrere Räume im ehemaligen Collegium Jenense in der Kollegiengasse 10 beziehen, da das alte Schloß für den Neubau des Universitätshauptgebäudes abgebrochen wurde. Hier stellte Eichhorn die Sammlung neu auf, inventarisierte sie und verlieh ihr einen rein prähistorischen Charakter, indem er die historischen Objekte gegen die prähistorischen Funde aus dem Stadtmuseum tauschte. Außerdem wurden die Bestände des Germanischen Museums um eine Reihe bedeutender Privatsammlungen erweitert, so z.B. von Otto Schott (hallstattzeitliche Funde aus dem Picenum), Otto Hauser (paläolithische Artefakte aus Frankreich) und Arno Schröder (Funde v. a. aus der Umgebung von Jena, darüber hinaus aber aus ganz Mitteleuropa).

Von besonderer Bedeutung sind die Ausgrabungen des germanischen Gräberfelds von Großromstedt, die - anfänglich zusammen mit Philipp Kropp - zwischen 1907 und 1913 erfolgten, und dessen Material von Eichhorn 1927 monographisch vorgelegt werden konnte. Des weiteren führte Eichhorn mehrere Rettungsgrabungen um Jena durch und widmete sich besonders der Aufarbeitung und Vorlage der Grabungen Klopfleischs.

Notwendige Restaurierungen an Sammlungsstücken und neuen Funden aus ihren Ausgrabungen namen sowohl Friedrich Klopfleisch als auch Gustav Eichhorn selbst vor oder übertrugen diese - fast immer auf ihrer eigenen Kosten - an geeignete Kräfte. Eichhorn wurde dabei durch seine zweite Frau Gertrud, geb. Rössel, unterstützt, die am 1.4.1929 als Hilfsassistentin eingestellt wurde.

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