A U G U S T I N E R - C H O R H E R R E N S T I F T
Z U   A L T E N B U R G 


Projektbeschreibung

Die Stadt Altenburg liegt am Südrand der Leipziger Tieflandsbucht in der Nähe des Flusses Pleiße. Altenburg befindet sich damit nahezu in der Mitte des Städtedreiecks Leipzig-Chemnitz-Gera. Das Stadtbild von Altenburg wird dominiert durch einen sehr hügeligen Untergrund, hierbei können Höhenunterschiede von bis zu über 70 m beobachtet werden.

Im hohen Mittelalter wurde die Entwicklung Altenburgs durch seine Lage an einer der wichtigsten Reichsstraßen begünstigt: der von Nord nach Süd verlaufenden via imperii  (von Merseburg über Altenburg nach Zwickau). Altenburg als Zentralort des Reichslandes Pleißenland ist im sich konsolidierenden Machtgefüge des Stauferkaisers von herausragender Bedeutung für die staufische Reichspolitik gewesen. Hierbei nahm das Augustiner-Chorherrenstift zu Altenburg eine besondere Stellung ein. Den mit umfangreichen Rechten ausgestatteten Chorherren war vom Stifter - dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) - eine kirchenpolitische Rolle zugedacht worden. Die Chorherren konnten ihre Sonderstellung durch das gesamte Mittelalter hindurch bewahren, das Stift war in dem Zeitraum die größte und reichste Klosteranlage des Pleißenlandes.

Bei den "Roten Spitzen" handelt es sich um die Westtürme der ganz in Backstein errichteten, ehemaligen Stiftskirche St. Marien, sie sind der letzte Überrest der Stiftsanlage. Die Bezeichnung "Rote Spitzen" stammt aus dem 19. Jahrhundert, im Mittelalter war das Augustiner-Chorherrenstift als Bergerkloster bekannt.

Die Stiftskirche St. Marien kann als "steingebundenes" Symbol kaiserlichen Machtanspruchs gewertet werden und repräsentiert so den politischen Rang Altenburgs, den es in der Stauferzeit hatte. An St. Marien spiegeln sich die modernsten architektonischen Entwicklungen ihrer Zeit wider. Hinsichtlich der Verwendung des Backsteins zeichnet sich nun zunehmend ab, dass mit den Roten Spitzen ein Initialbau für das Aufkommen der Backsteingroßbauten nördlich der Alpen überhaupt vorliegt. Die Roten Spitzen sind damit dem Kaiserdom in Speyer zur Seite zu stellen.

In Anbetracht ihrer Bedeutung haben die Roten Spitzen in der Literatur nur einen geringen Niederschlag gefunden. Zur Baugeschichte sind gleichfalls nur wenige Informationen bekannt. Informationen über das eigentliche Klosterareal fehlen fast gänzlich.

Die schriftlichen Quellen legen einen Baubeginn der Stiftskirche um 1165 nahe, die Weihe wurde 1172 von Bischof Udo von Naumburg in der Anwesenheit von Kaiser Friederich I. Barbarossa vorgenommen. Obwohl die Urkundenlage hinsichtlich der Gründung und Weihe der Kirche durch Fälschungen verunklart ist, ist an einer Stiftung durch den Stauferkaiser nicht zu zweifeln. Der Kirchenbau selbst dürfte noch im 12. Jahrhundert fertig gestellt worden sein. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgten Arbeiten am Kreuzgang und die Dachstühle der Türme wurden (neu?) errichtet. Im Zuge der Reformation wird das Kloster um 1543 aufgelöst und seine Besitzungen säkularisiert. Die Meriandarstellung aus der Zeit um 1600 zeigt ein bereits verfallenes Kirchenschiff.

Nur wenig besser gestaltet sich die Quellenlage bei Betrachtung der nachreformatorischen Entwicklung. Der alte Kirchenbau wird einer säkularen Nutzung unterzogen. Im Gefolge der Einrichtung einer Schulstube zwischen den Türmen wird das Mittelschiff 1671 in ein Witwen- und Waisenhaus umgebaut, ein Ausbau erfolgte im Jahr 1717. Unmittelbar nachdem dieses Gebäude im Jahr 1810 einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel, wurde es mit verkleinertem Grundriss wieder aufgebaut. Es fungierte nunmehr als Zucht- und Arbeitshaus. Unter dem Eindruck der Neugründung des Kaiserreiches erfolgte 1871 bis 1873 durch den Architekten Friedrich Sprenger eine Restaurierung der Türme. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts schritt der Verfall der Stiftskirche voran.

Die denkmalgerechte Instandsetzung des Kulturdenkmals "Rote Spitzen" wird im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms "National wertvolle Kulturdenkmäler" durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Die Finanzierung setzt sich aus städtischen, Landes- und Bundesmitteln zusammen. Als Bestandteil der Maßnahme sind neben der Bauforschung archäologische Untersuchungen mit eingebunden. Die archäologischen Untersuchungen werden von der Stadt Altenburg - vertreten durch die Stadtarchäologie Altenburg - in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt.

Das archäologische Forschungsprojekt Augustiner-Chorherrenstift zu Altenburg ist im Spannungsfeld zwischen Bauforschung und Archäologie angesiedelt. Die Arbeiten selbst und die aus ihnen resultierenden Forschungsergebnisse erfolgen in enger Verzahnung beider Disziplinen.

Die Ausgrabungen finden seit dem 1. September 2006 statt. Insgesamt sieben Personen, darunter ein Archäologe, bilden den Stamm des Grabungsteams. Das Grabungsteam wird durch Archäologiestudenten aus Jena unterstützt, die hier ihre Einführung in die Grundlagen der Ausgrabungstätigkeit bekommen. Die Grabungsergebnisse sollen zeitnah in Form von Examensarbeiten der Universität Jena einer Bearbeitung zugeführt werden.

Ausgegraben werden Teile der Vierung, des Querhauses, des Südschiffs und der Klausur. Die aktuellen Ausgrabungsarbeiten finden im Südschiff, in der Vierung und im Querhaus statt.

Kontakt

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Ettel, Michael Mattern M.A.
MitarbeiterInnen: Jens Brumme, Susanne Hauptfleisch, Matthias Hein, Dr. Uwe Moos, Andreas Schwarz, Renate Trommer, Gustav Wolf.
Laufzeit: 2006-2012
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