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Kampagne 2017

Die Grabungskampagne 2017 hatte das Ziel eine rechteckige Struktur aufzudecken, das sich mit einer Größe von ca. 10 x 20 m innerhalb des Hauptburgareals im Geomagnetplan abzeichnete und schon im Vorfeld mutmaßlich als ehemaliges Steingebäude angesprochen wurde.

Nach dem Abtrag des Mutterbodens zeigte sich im Planum der Grundriss einer Kirche mit Saal, Chor und Apsis. Diese war allerdings komplett niedergelegt wurden und konnte nur noch über den Verlauf der Ausbruchsgräben der Mauern nachgewiesen werden. Insgesamt ergab sich ein Gebäude mit einer Gesamtlänge von ca. 30 m, einer Saalbreite von 9,5 m und einem Chor von ca. 7 x 7 m. Fundmaterial konnte nur in sehr geringem Umfang aus den Ausbruchsgräben geborgen werden, wobei es sich hauptsächlich um Architekturfragmente und einige Keramikscherben sowie eine Messerklinge handelt.

Neben dem mittelalterlichen Kirchenbau ist es im Zuge der Kampagne 2017 auch gelungen zwei spätbronzezeitliche Sonderbestattungen aufzudecken. Eine dieser Bestattungen befand sich zum Teil unterhalb der Südwand des Kirchensaales, die zweite westlich hinter dem Gebäude. Beide Bestattungen wiesen, ähnlich wie die bisher von der Kuckenburg bekannten Grablegen, ungewöhnliche Körperhaltungen auf. So wurde beispielsweise ein Skelett auf dem Bauch liegend mit angewinkelten Beinen bestattet.

Insgesamt verdichtete die Grabungskampagne 2017 nicht nur das Bild der spätbronzezeitlichen Besiedlung des Bergsporns, sondern erbrachte auch den Nachweis einer bisher völlig unbekannten Kirche, die einen ersten Eindruck des im Hersfelder Zehntregisters erwähnten Burgwarts Cucunburg vermittelt.


Kampagne 2016

Das Ziel der Ausgrabungen im Jahr 2016 war die Untersuchung einer Grabgrube, die im Zuge der Grabungen 2015 angeschnitten wurde, aber nicht vollständig untersucht werden konnte, sowie die Aufdeckung des spätbronzezeitlichen Grabens um dessen Konstruktion näher untersuchen zu können.

Bei der Bestattung handelt es sich um eine Grablege der späten Bronzezeit, bei der ein infantiles Individuum in einer Siedlungsgrube niedergelegt wurde. Neben dem Skelett befanden sich in der Grube eine Vielzahl an Tierknochen, Silices, Brandlehm sowie Scherben von mindestens 8 verschiedenen Gefäßen sowie ein durchlochter Hundezahn als Beigaben.

Der spätbronzezeitliche Graben zeichnete sich innerhalb des Schnittes mit einer Breite von etwa 2 m ab und wurde auf einer Länge von ca. 5 m freigelegt. Reste eines Walles hinter dem Graben fanden sich nicht mehr, könnten aber auch bereits dem Pflug zum Opfer gefallen sein. Im Profil zeichnete sich der Graben als Spitzgraben mit einer Tiefe von etwa 1,3 m im anstehenden Löß ab. Innerhalb der Verfüllung fielen ungewöhnlich viele Tierknochen und Scherben auf. Auf der Sohle des Grabens gelang es schließlich eine Deponierung von menschlichen Schädeln, Schädelfragmenten, Scherben, sowie einer Vielzahl von Tierknochen die sich zum Teil noch im anatomischen Verband befanden freizulegen. Anhand der aufgefunden Keramik ist eine Datierung der Niederlegung innerhalb der Spätbronzezeit abgesichert.

Insgesamt betrachte erbrachte die Kampagne 2016 mit der spätbronzezeitlichen Bestattung einen weiteren Hinweis auf die Ausdehnung des genutzten Areals auf der Kuckenburg. Durch den Nachweis einer Deponierung von Tier- und Menschenknochen innerhalb des Grabens wurde zudem ein bislang so nicht bekannter Befund innerhalb der spätbronzezeitlichen Besiedlung der Region aufgedeckt. 
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Kampagne 2015

Die Kampagne im Jahr 2015 konzentrierte sich auf die Befestigung des frühmittelalterlichen Hauptburgareals. Diese wurde bereits bei der Grabung 2005 innerhalb des Baggerschnittes aufgedeckt und sollte nun im Hinblick auf ihre Konstruktion und Datierung näher untersucht werden.  Hierzu wurde ein Schnitt von 5 x 30 m im nördlichen Bereich der Anlage geöffnet.

Innerhalb des Grabungsschnittes zeichnete sich die Befestigung als ein 8-9 m breiter Spitzgraben mit einer maximalen Tiefe von 3,85 m ab.  Dahinter wurden Reste einer Berme und des ehemaligen Walls, der sich aus wahrscheinlich aus einer Holz-Erde-Stein-konstruktion zusammensetzte, beobachtet werden und an dessen Ende eine Kalksteinlage, die sich als Befestigung des Wallfußes deuten lassen kann. Insgesamt erreicht die Befestigung des Hauptburgareals damit eine Breite von fast 30 m.  Innerhalb des Grabens wurden neben zwei Verfüllhorizonten auch Hinweise auf eine mögliche erste Ausbauphase des Grabens gefunden. Als Funde wurden neben Tierknochen und wenigen Scherben auch Mörtelreste und Ziegelfragmente aus dem Graben geborgen, die nur eine grobe Datierung der Verfüllung in das frühe Mittelalter ermöglichen.

Als weitere interessante Befunde wurden unterhalb des Walls der mittelalterlichen Befestigung zwei spätbronzezeitliche Gruben aufgedeckt. Diese zeichneten sich im Profil beide trapezförmig ab und wurden nach der Aufgabe ihrer Nutzung zur Vorratshaltung als Grabgruben weitergenutzt. So befand sich in einer Grube das Skelett eines infantilen Individuums und in der zweiten eine Mehrfachbestattung aus einem adulten und zwei infantilen Individuen.

Somit hat die Kampagne von 2015 nicht nur zum besseren Verständnis der mittelalterlichen Befestigung beigetragen, sondern auch zusätzliche Erkenntnisse zur spätbronzezeitlichen Besiedlung auf der Kuckenburg erbracht.
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Kampagne 2012 

Die Grabung im Jahr 2012  auf der Kuckenburg bei Esperstedt beschäftigen sich mit einer Fläche von ca. 15 x 12 m, die eine Lücke zwischen den untersuchten Flächen der Jahre 2009 und 2011 schloss.

Nach dem Abtrag des Mutterbodens wurden insgesamt 23 Befunde im anstehenden Löß dokumentiert. Es handelt sich um 22 vorwiegend runde Gruben sowie um eine Pfostenverfärbung. Besondere Beachtung bei der Grabung verdienen die Befunde 2, 10 und 15.

Bei Befund 2 handelt es sich um eine Verfärbung, die sich im ersten Planum acht-förmig abzeichnete und sich im zweiten Planum in zwei runde Vorratsgruben auflöste. In der westlichen der beiden Gruben befand sich direkt auf der Grubensohle ein zerscherbtes Gefäß, in dem sich der Schädel eines subadulten Individuums befand. Innerhalb des Gefäßes wurde zudem in direkter Nähe des Schädels ein kleiner, aus Bronzeblech zusammengebogener Ring geborgen. In der östlichen Vorratsgrube wurden ebenfalls die Reste einer Bestattung beobachtet. Es handelt sich um die Bestattung eines subadulten Individuums in Hocklage. Zwischen den erhaltenen Knochen wurden neben mehreren Asche- und Holzkohlekonzentrationen auch zwei bronzene Nadeln beobachtet. Es handelt sich um eine große Spiralkopfnadel sowie um eine kleinere Rollenkopfnadel.

Bei dem zweiten wichtigen Befund der Kampagne handelt es sich ebenfalls um eine Vorratsgrube. Aus dieser wurden neben einen kleinen Bronzering mit ovalen Querschnitt auch zwei Gefäße geborgen. Es handelt sich um die Reste eines großen, zerscherbten Vorratsgefäßes sowie um ein komplett erhaltenes feinkeramisches Gefäß, welches sich auf der Grubensohle befand und im Block geborgen wurde.

Auch der dritte erwähnenswerte Befund (15) stellt eine trapezförmige Vorratsgrube dar. Auf der Sohle dieser Grube wurde ein Pflaster aus den Scherben eines großen Vorratsgefäßes mit aufgesetzter plastischer Leiste beobachtet.

Insgesamt lässt sich sagen, dass mit der Grabung von 2012 ein weiterer Schritt zur Klärung der vorgeschichtlichen Besiedlung des Bergsporns erfolgt ist. Zudem steht durch die Schließung der Lücke zwischen den beiden älteren Untersuchungsflächen erstmals eine größere zusammenhängende Fläche innerhalb des Vorburgareals für Auswertungen zur Verfügung.
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Kampagnen 2009 und 2010

Innerhalb der Ausgrabungen 2009 und 2010 wurden drei kleinere Flächen in der Vorburg untersucht. Dabei handelte es sich um eine große Verfärbung von ca. 10 x 15m Größe, die von mehreren kreisförmigen Vorratsgruben umfasst war. Diese Vorratsgruben lassen sich aufgrund des Fundmaterials in die späte Bronzezeit datieren und enthielten zum Teil wiederum Sonderbestattungen, die sich mit den bereits in der Hauptburg dokumentierten Bestattungen vergleichen lassen. Der von diesen Gruben eingeschlossene große Befund konnte bisher noch nicht komplett untersucht werden. Die ersten Funde lassen sich jedoch in die Salzmünder Kultur datieren. Zudem konnte in diesem Befund eine sorgfältig, unter einer Steinpackung angelegte Bestattung eines vermutlich Auerochsen dokumentieren. Innerhalb der zweiten aufgedeckten Fläche zeigten sich mehrere kleinere Befunde. Diese erwiesen sich überwiegend als Vorratsgruben. In einer dieser Gruben befand sich wiederum ein spätbronzezeitliche Sonderbestattung. Den wichtigsten Befund innerhalb dieser Fläche stellt eine Sonderbestattung der Salzmünder Kultur dar. Sie befand sich in einer Vorratsgrube von ca. 2m Durchmesser und etwa 1m Tiefe. In der Grube befanden sich neben zwei Schädeln und Oberarmfragmenten, eine komplett erhaltene Trichterrandtasse vom Typ Hohen, eine Amphore, die Reste von ca. 10 weiteren zerscherbten Gefäßen, ein verzierter Spinwirtel, eine Reibmühle mit Läuferstein sowie eine Packung aus 887 Silices.

Innerhalb der dritten Fläche wurde ein frühmittelalterliches Grubenhaus untersucht, das bereits innerhalb des Baggerschnittes von 2005 aufgedeckt wurde. Diese überlagerte zwei spätbronzezeitliche Gruben und wies eine Ofenkonstruktion in der Südwestecke auf. Als besonderer Fund konnte aus der Mitte des Hauses ein komplett erhaltener Reitersporn geborgen werden.

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Erste Arbeiten


Auf dem Areal der Kuckenburg und ihrer unmittelbaren Umgebung wurden bisher fünf Grabungskampangen durch den Bereich für Ur- und Frühgeschichte der FSU durchgeführt. Die ersten beiden Kampagnen erfolgten im Rahmen des DFG- Projekts. Im Zuge der ersten Kampagne wurde ein Schnitt durch die Gräben angelegt, wodurch diese in die Spätebronzezeit bzw. das Frühmittelalter datiert werden konnten. Innerhalb der zweiten Kampange wurde eine Fläche von 300m2 innerhalb der Hauptburg untersucht. Dabei konnte neben mehreren Gruben mit zu Teil Sonderbestattungen der späten Bronzezeit auch ein frühmittelalterliches Grubenhaus dokumentiert werden.

Im Zuge des Autobahnbaus wurde eine dritte Kampagne im direkten Umfeld der Kuckenburg (Fundstellen 16 und 17 auf dem Hahnhügel, einen ca. 200m nördlich der Kuckenburg gelegenen Sporn) durchgeführt. Diese erbrachte ein Grabenwerk der Salzmünder Kultur.

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Text: E. Paust