Pfalz Salz

K Ö N I G S P F A L Z   S A L Z

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Die Vorarbeiten

Seit 2009 finden im Neustädter Becken (Unterfranken, Rhön-Grabfeld) Untersuchungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt, deren Ergebnisse bislang in drei Promotionen und einer Bachelorarbeit bis Mitte 2018 aufgearbeitet wurden (vgl. die Projektbeschreibungen "Reiterkrieger - Burgenbauer", "Binnenhäfen - Karlburg" und "Veitsberg"). Nach Abschluss dieser ersten Projektphase wird neben weiterführenden Forschungen nun an einer musealen Präsentation der Ergebnisse in Bad Neustadt gearbeitet (vgl. http://www.pfalz-salz.de/aktuelles). Unterstützt und gefördert wird das Projekt wie schon zuvor durch die Stadt Bad Neustadt a.d. Saale und die Gemeinden Salz und Hohenroth.

Das Forschungsgebiet

Wo sich heute die Stadt Bad Neustadt sowie die Gemeinden Salz, Niederlauer und Hohenroth befinden, lag zwischen dem Ende des 8. Jahrhunderts und dem Jahr 1000 das Kerngebiet der Pfalz Salz. In der Zusammenschau der bislang bekannten archäologischen Fundplätze und der Schriftquellen des 8. - 11. Jahrhunderts lässt sich der aus dem fiscus Salz entstehende Pfalzkomplex als vielteiliges, ortsübergreifendes Gesamtgefüge rekonstruieren (vgl. Abb. 1). Nachweisbar sind spätestens im 9. Jahrhundert mehrere Haupt- und Nebenhöfe (Salz und Heustreu/villa Houstrowe), eine Talsiedlung (villa Salza/Mühlstatt) sowie mindestens eine Kirche (sicher belegt für uilla branda basilicam In honore Sti. Martin/Brend). Möglicherweise existierte jedoch noch eine weitere, bislang nicht lokalisierte Pfalzkirche innerhalb dieses Gebietes. Des Weiteren finden sich der ausgedehnte Königsforst (silvas innumerabilis/Salzforst) und eine Befestigung, bei der es sich nicht nur um das fortifikatorische, sondern vermutlich auch um das repräsentative Zentrum des Pfalzgebietes handelt (castellum Saltce/Veitsberg).

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Frühmittelalterliche Siedlungstopographie und Fundplätze im Neustädter Becken (Digitales Geländemodell (1m-Raster) © Bayerische Vermessungsverwaltung 2009; Kartographie nach L. Werther, ergänzt P. Wolters).

Insgesamt dürfte das Königsgut jedoch ein wesentlich größeres Gebiet umfasst haben. Die schriftliche Überlieferung des Frühmittelalters zeigt eine auffällige Lücke, was die Orte im Bereich des späteren Amtes Neustadt betrifft. Die Kartierung der Pertinenzen Fuldas und Würzburg, frühmittelalterlicher Besitzverschiebungen im Bereich des Amtes Kissingen und des fiscus Mellrichstadt sowie der Wildbannbeschreibungen von Fulda (1059) und Mellrichstadt (1031) zeigen gleichsam im Negativ die mögliche Ausdehnung des gesamten königlichen Besitzes (vgl. Abb. 2).

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Kartierung frühmittelalterlicher Besitzverhältnisse im Bereich der Pfalz Salz (Kartierung: P. Wolters).

Das Projekt

Mithilfe archäologisch-historischer, geoarchäologischer, sedimentologischer und geophysikalischer Methoden sollen weitere Einblicke in die (Kultur-)Landschaftsentwicklung gewonnen werden. In bislang weitgehend unerforschten Bereichen des Pfalzgebietes sind Prospektionsarbeiten wie Begehungen, Bohrungen und auch geophysikalische Messungen geplant (vgl. Abb. 3). Die historischen Quellen leisten ebenfalls einen wesentlichen Beitrag, die ehemaligen Besitzgrenzen des Königsgutes herauszuarbeiten und in der Zusammenschau mit den (geo-)archäologischen Kenntnissen Aufschlüsse zu zentralen und peripheren Siedlungselementen und deren Nutzung zu liefern.

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Untersuchungen im Hohenrother See. Ziehen von Bohrkernen durch Geographen der Universitäten Jena und Greifswald.

Daneben werden die bereits bekannten Siedlungselemente im Rahmen spezieller Fragestellungen weiter untersucht, um die bestehenden Erkenntnisse zu verfeinern und Wissenslücken zu schließen. Ergänzend sollen die bisherigen Auswertungen der Forschungen vollständig publiziert und die jeweils aktuellen Untersuchungsergebnisse möglichst zeitnah in Sonderausstellungen des in Bad Neustadt geplanten Museums münden.




Fördernde und mitwirkende Institutionen und Personen

» Stadt Bad Neustadt an der Saale, Gemeinde Hohenroth, Gemeinde Salz (Drittmittelgeber)

» Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

·       » Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, PD Dr. Lukas Werther

» FSU Jena, Physische Geographie, Dr. Thomas Kasper

» Universität Greifswald, Physische Geographie, Prof. Dr. Torsten Haberzettl

·       » Universität Hohenheim, Pollenanalyse und Vegetationsgeschichte (Dipl. Dr. Maria Knipping)

» FSU Jena, Dipl.-Biologin Barbara Zach, Archäobotanik

» FAU Erlangen-Nürnberg, PD Dr. habil. Kerstin Pasda, Archäozoologie

» FSU Jena, Dr. Hans-Volker Karl, Archäozoologie

» Leibniz IPHT Jena, Geophysik, Dr. Sven Linzen

» Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie gGmbH