Collegium Jenense

 

Frühe Universitätsgeschichte anhand des Kollegienquartiers und unter besonderer Berücksichtigung der Rektorengräber

Übersicht    


Das Projekt

Das im Oktober 2018 neu gestartete Projekt geht auf eine Idee zurück, die bereits im Rahmen des 450. Jubiläums der Universität entwickelt wurde. In diesem Rahmen erstellte das Universitätsarchiv erste virtuelle Rekonstruktionen zum alten Universitätskomplex im Collegium Jenense, die jetzt als Grundlage zur Einbindung der neuen Informationen dienen.

Das Ziel des Projektes ist die interdisziplinäre Aufarbeitung des Areals Collegium Jenense, unter Einbeziehung der gesamten archäologischen und historischen Quellen, als Gründungsort der Universität Jena im Zeitalter der Reformation. Hierbei soll exemplarisch am Collegium Jenense, einem einzigartigen Gründungs- und Erinnerungsort einer reformatorischen Universität in Europa, die Bau- und Nutzungsgeschichte von der Vorgeschichte über das Dominikanerkloster und die Gründung der Universität bis in die Gegenwart verfolgt werden. Großes Augenmerk wird dabei auf den Bestattungsplatz der Jenaer Universität gelegt. Für die Frühzeit der Universität sollen zusätzlich die Ergebnisse von Untersuchungen an den Professorengrüften der Gründergeneration der Universität in der Stadtkirche St. Michael mit einbezogen werden.

Die Grundlagen für die Bearbeitung

Die Grundlagen hierfür bilden die Ausgrabungen innerhalb des Areals des Kollegienhofes, die zwischen 1936 und 1957 durch Prof. Dr. Gotthard Neumann von der FSU Jena und Dr. Wolfgang Wennig vom damaligen Landesamt für Denkmalpflege (Baudenkmalpflege) durchgeführt wurden. Hinzu kommen die Professorengräber aus der Stadtkirche St. Michael, die von Prof. Dr. Gotthard Neumann in den Jahren 1953 bis 1955 im Zuge des Einbaus eines Heizungskellers ausgegraben worden sind. Sie befinden sich heute im Bestand des Seminars für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. Zum Fundbestand zählen zum einen aus diesen Gräbern neben Keramikscherben, Tierknochen, diversen Kleinfunden und den Skeletten der bestatteten Personen, auch die Überreste der Grabsteine und Epitaphe der Rektorengräber sowie deren Bekleidung, die sich innerhalb der Grüfte zum Teil erhalten hat. Zum anderen die Reste, der zwischen 1548 und 1592 in die Kollegienkirche eingebauten Zimmer für die Studenten und Rektoren, die nach der Wiederherstellung der Kirche mitsamt ihrem Inventar bestehend aus Keramik, Kachelöfen, etc. innerhalb der Kirche einplaniert wurden und so zu einer Anhebung des Bodenniveaus um 1,5 m führten. Alle Funde bilden zusammen mit einem Spezialinventar/Materialsammlung über die historischen Unterlagen, die sich in den Thüringischen Staatsarchiven befinden, das durch das Universitätsarchiv angelegt wurde, die Materialbasis für alle Untersuchungen.

Der interdisziplinäre Ansatz

An dem Projekt sind neben dem Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie und dem Universitätsarchiv auch das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, die Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens und das Institut für Rechtsmedizin beteiligt. Diese Kooperation eröffnet einen für die Universitätsgeschichte und die Stadtgeschichte einmaligen Einblick in die Zeit des 16. bis frühen 19. Jahrhunderts. Auf bisher einzigartige Art und Weise werden vorliegende Forschungsergebnisse zur Universitäts- und Stadtgeschichte vor allem durch einen detaillierten Einblick in das Alltagsleben der Studierenden und Professoren (insbesondere in deren Lebensgewohnheiten, Ernährungsweisen sowie über deren Krankheiten, Tod und Bestattungen) mit modernsten Methoden ausgebaut.

 

 

beteiligte Personen und Institutionen

Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie

Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Enrico Paust, Dipl.-Rest. Ivonne Przemuß, Dr. Hans-Volker Karl

Universitätsarchiv

apl. Prof. Dr. Joachim Bauer

Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Kim Siebenhüner

Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens

PD Dr. Stefan Gerber

Universitätsklinikum - Institut für Rechtsmedizin

Dr. Juliane Sanft, Dr. Juliane Strien

Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Prof. Dr. Johannes Krause, Dr. Wolfgang Haak, Dr. Alexander Herbig, Dr. Patrick Roberts